Glossar
Begriffe rund um das Praxislabor
Fachbegriffe aus Abrechnung, Qualitätssicherung und Labortechnik. Jeder Begriff hat eine eigene Seite mit Bedeutung für die Praxis und weiterführenden Verweisen.
Abrechnung
- AusnahmekennnummerKennzeichnung bestimmter Erkrankungen und Anlässe im EBM (GOP 32005 bis 32023). Fälle mit Kennnummer zählen beim Wirtschaftlichkeitsbonus nicht mit.
- BasislaborUmgangssprachlich für die allgemeinen Laboruntersuchungen nach Abschnitt 32.2 EBM. Vertragsärzte können sie ohne gesonderte Genehmigung der KV erbringen.
- EBM Kapitel 32Das Kapitel des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs für In-vitro-Diagnostik. Es regelt, welche Laborleistungen Vertragsärzte abrechnen und in welcher Höhe.
- FallwertDie Laborkosten einer Praxis je Behandlungsfall. Der Fallwert entscheidet, ob und in welcher Höhe eine Praxis den Wirtschaftlichkeitsbonus erhält.
- Kostenerstattung (EBM)So heißen die Beträge für Laborleistungen in Kapitel 32 EBM. Sie stehen in Euro und sollen die Kosten der Untersuchung decken.
- LaborquoteRatgeberDer Anteil, zu dem eine KV Laborleistungen aus dem Grundbetrag Labor auszahlt, wenn das Geld nicht für alle Leistungen reicht.
- SpeziallaborDie speziellen Laboruntersuchungen nach Abschnitt 32.3 EBM. Wer sie erbringen und abrechnen will, braucht eine Genehmigung der KV.
- WirtschaftlichkeitsbonusRatgeberBonus für Praxen, deren Laborkosten je Fall unter einem Grenzwert ihrer Arztgruppe liegen. Veranlasste und eigenerbrachte Leistungen zählen beide.
Qualitätssicherung
- Interne QualitätskontrolleRegelmäßige Messung von Kontrollproben mit bekanntem Zielwert. Sie zeigt, ob ein Gerät richtig und präzise misst.
- PräanalytikAlles, was vor der Messung mit der Probe geschieht: Vorbereitung des Patienten, Blutentnahme, Röhrchen, Lagerung und Transport.
- RiliBÄKDie Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen. Sie gilt für jedes Labor, auch für das Labor in der Arztpraxis.
- RingversuchExterne Qualitätskontrolle: Die Praxis misst Proben eines Ringversuchsanbieters und erhält zurück, ob ihre Ergebnisse im zulässigen Bereich liegen.
- Unit-use-ReagenzienReagenzien, die für genau eine Bestimmung portioniert sind und danach verworfen werden. Die RiliBÄK sieht für sie eigene Regeln zur Qualitätskontrolle vor.
Labortechnik
- ImmunoassayMessverfahren, das einen Stoff über die Bindung an Antikörper nachweist und quantifiziert. Damit werden unter anderem Hormone, Schilddrüsenwerte, Tumormarker und Ferritin bestimmt.
- Klinische ChemieBestimmung von Stoffen in Blut und Urin mit photometrischen und elektrochemischen Verfahren, zum Beispiel Elektrolyte, Glukose, CRP und HbA1c.
- MHK (minimale Hemmkonzentration)Die niedrigste Konzentration eines Antibiotikums, die das sichtbare Wachstum eines Erregers hemmt. Sie ist das Ergebnis der Empfindlichkeitsprüfung in der Mikrobiologie.
- Point-of-Care-Testing (POCT)Laboruntersuchung nahe am Patienten, also in der Praxis statt im Zentrallabor. Das Ergebnis liegt in der Regel noch während des Termins vor.
Organisation
- IVDR (In-vitro-Diagnostika-Verordnung)RatgeberEU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika, gilt seit dem 26. Mai 2022 und hat die Richtlinie 98/79/EG (IVDD) abgelöst. Sie richtet sich vor allem an Hersteller.
- LaborgemeinschaftZusammenschluss von Vertragsärzten, die Laboruntersuchungen gemeinsam in einer Einrichtung erbringen lassen.
- Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV)Verordnung über das Betreiben und Anwenden von Medizinprodukten. Sie gilt auch für Laborgeräte in der Arztpraxis.
- PraxislaborRatgeberAnalysesystem in der eigenen Praxis. Die Praxis bestimmt ausgewählte Laborwerte selbst und rechnet sie selbst ab.
- Reagenzien-LiefervertragVertrag, in dem eine Praxis Reagenzien und Verbrauchsmaterial bezieht. Bei Labservice ist die Bereitstellung des Analysegeräts Teil dieses Vertrags.
Laborwerte im Praxislabor
Einzelne Laborwerte erklären wir auf eigenen Parameterseiten: was der Wert aussagt, auf welchem System er läuft und was bei der Bestimmung in der Praxis gilt. Alle Werte stehen in der Parameterübersicht.
- AFPParameterAFP ist ein Eiweiß, das vor der Geburt gebildet wird. Beim Erwachsenen wird es als Tumormarker bei Leberzell- und Keimzelltumoren bestimmt, vor allem zur Verlaufskontrolle.
- AMHParameterAMH wird in den Granulosazellen der Eibläschen gebildet. Der Wert wird zur Einschätzung der ovariellen Reserve genutzt, etwa vor einer Kinderwunschbehandlung.
- Anti-TgParameterThyreoglobulin-Antikörper ergänzen die TPO-Antikörper bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. In der Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms werden sie mitbestimmt, weil sie die Messung von Thyreoglobulin stören können.
- Anti-TPOParameterTPO-Antikörper richten sich gegen die Schilddrüsenperoxidase, ein Enzym der Schilddrüse. Sie werden bestimmt, um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse wie die Hashimoto-Thyreoiditis einzuordnen.
- BNPParameterBNP (B-Typ natriuretisches Peptid) wird im Herzmuskel gebildet, wenn die Herzkammern stärker gedehnt werden. Es wird in Diagnostik und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz bestimmt.
- BorrelienParameterAntikörper gegen Borrelien, die Erreger der Lyme-Borreliose, werden bei Verdacht nach einem Zeckenstich bestimmt. Auffällige Suchtests werden mit einem Immunoblot bestätigt.
- C-PeptidParameterC-Peptid entsteht bei der Bildung von Insulin in gleicher Menge. Der Wert zeigt, wie viel Insulin der Körper selbst bildet, auch wenn Insulin gespritzt wird.
- CA 125ParameterCA 125 wird vor allem in der Verlaufskontrolle von Eierstockkrebs bestimmt. Auch gutartige Erkrankungen wie eine Endometriose können den Wert erhöhen.
- CA 15-3ParameterCA 15-3 wird in der Verlaufskontrolle und Nachsorge von Brustkrebs bestimmt.
- CA 19-9ParameterCA 19-9 ist ein Tumormarker für Tumoren der Bauchspeicheldrüse und der Gallenwege. Er wird vor allem in der Verlaufskontrolle eingesetzt, auch eine Gallenstauung kann ihn erhöhen.
- CEAParameterCEA ist ein Tumormarker, der vor allem in der Nachsorge von Darmkrebs eingesetzt wird. Auch Rauchen und entzündliche Erkrankungen können den Wert erhöhen.
- CK-MBParameterCK-MB ist die Form der Creatinkinase, die vor allem im Herzmuskel vorkommt. In der Infarktdiagnostik steht heute Troponin im Vordergrund, CK-MB kann den Verlauf ergänzen.
- CMVParameterAntikörper gegen das Cytomegalievirus werden vor allem in der Schwangerschaft bestimmt, um einen bestehenden Schutz oder eine frische Infektion zu erkennen.
- CortisolParameterCortisol ist das wichtigste Stresshormon der Nebennierenrinde. Der Wert wird bei Verdacht auf eine Unter- oder Überfunktion der Nebenniere bestimmt.
- CRPParameterCRP ist ein Eiweiß, das die Leber bei Entzündungen bildet. Der Wert steigt vor allem bei bakteriellen Infektionen deutlich an und wird zur Einschätzung und Verlaufskontrolle von Entzündungen bestimmt.
- Cystatin CParameterCystatin C wird von allen Körperzellen gleichmäßig gebildet und über die Niere ausgeschieden. Der Wert dient der Abschätzung der Nierenfunktion und hängt weniger von der Muskelmasse ab als Kreatinin.
- D-DimerParameterD-Dimere sind Spaltprodukte von vernetztem Fibrin und entstehen, wenn ein Gerinnsel abgebaut wird. Der Wert wird eingesetzt, um bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit eine tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie auszuschließen.
- DHEA-SParameterDHEA-S wird fast nur in der Nebennierenrinde gebildet. Bei Zeichen eines Androgenüberschusses hilft der Wert einzuordnen, ob die Hormone aus der Nebenniere oder den Eierstöcken stammen.
- E2ParameterÖstradiol ist das wichtigste Östrogen. Der Wert wird in der Zyklus- und Kinderwunschdiagnostik bestimmt und bei der Überwachung einer hormonellen Stimulation.
- EBVParameterAntikörper gegen das Epstein-Barr-Virus, den Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Verschiedene Antikörper zeigen, ob eine Infektion frisch oder zurückliegend ist.
- Elektrolyte (ISE)ParameterNatrium, Kalium und Chlorid werden mit ionenselektiven Elektroden gemessen. Sie gehören zur Basisdiagnostik, etwa bei Nierenerkrankungen, unter Diuretika und in der Dialyse.
- FerritinParameterFerritin ist das Speicherprotein für Eisen. Der Wert zeigt, wie voll die Eisenspeicher sind. Bei Entzündungen kann er unabhängig davon erhöht sein.
- FolatParameterFolsäure wird für Zellteilung und Blutbildung gebraucht. Der Wert wird bei Verdacht auf einen Mangel bestimmt, meist zusammen mit Vitamin B12, und spielt vor und in der Schwangerschaft eine Rolle.
- fPSAParameterFreies PSA ist der Anteil des PSA, der nicht an Eiweiße im Blut gebunden ist. Der Quotient aus freiem und Gesamt-PSA hilft, einen erhöhten PSA-Wert einzuordnen.
- FSHParameterFSH steuert die Reifung der Eizellen und die Spermienbildung. Zusammen mit LH und Östradiol wird es bei Zyklusstörungen, bei unerfülltem Kinderwunsch und zur Einordnung der Wechseljahre bestimmt.
- fT3ParameterfT3 ist der ungebundene Anteil von Trijodthyronin, der aktiven Form des Schilddrüsenhormons. Der Wert ergänzt TSH und fT4, etwa bei Verdacht auf eine Überfunktion.
- fT4ParameterfT4 ist der ungebundene, biologisch wirksame Anteil des Schilddrüsenhormons Thyroxin. Der Wert wird bestimmt, wenn der TSH-Wert auffällig ist, und zur Verlaufskontrolle einer Schilddrüsentherapie.
- GlukoseParameterGlukose ist der Blutzucker. Der Wert ist der Grundwert in Diagnostik und Verlaufskontrolle des Diabetes, auch im Rahmen eines Glukosetoleranztests.
- H. pyloriParameterAntikörper gegen Helicobacter pylori, einen Keim der Magenschleimhaut, zeigen einen Kontakt mit dem Keim. Zwischen aktueller und ausgeheilter Infektion unterscheiden sie nicht sicher.
- HbA1cParameterHbA1c ist der Anteil des roten Blutfarbstoffs, an den Glukose gebunden ist. Er spiegelt den mittleren Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen und ist der zentrale Verlaufswert in der Diabetesbehandlung.
- HepatitisParameterDie Hepatitis-Serologie weist Antigene und Antikörper von Hepatitisviren nach. Sie zeigt eine akute oder zurückliegende Infektion und bei Hepatitis B auch den Impfschutz.
- HIVParameterDer Suchtest weist Antikörper gegen HIV und das p24-Antigen nach. Ein reaktives Ergebnis wird mit einem Bestätigungstest abgeklärt.
- IgEParameterIgE ist die Antikörperklasse, die an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Der Gesamtwert gibt einen Hinweis auf eine allergische Veranlagung, sagt aber nicht, gegen welche Stoffe.
- IgGParameterIgG ist die häufigste Antikörperklasse im Blut. Die Bestimmung dient der Abklärung eines Antikörpermangels und chronischer Entzündungen.
- InsulinParameterInsulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und senkt den Blutzucker. Zusammen mit dem Blutzucker hilft der Wert, eine Insulinresistenz oder eine gestörte Insulinbildung einzuordnen.
- LHParameterLH wird in der Hypophyse gebildet und steuert den Eisprung und die Gelbkörperbildung, beim Mann die Testosteronbildung. Es wird meist zusammen mit FSH bestimmt, etwa bei Zyklusstörungen und in der Kinderwunschdiagnostik.
- MyoglobinParameterMyoglobin ist ein Sauerstoffspeicher in Herz- und Skelettmuskel. Es steigt nach einer Muskelschädigung früh an, ist aber nicht herzspezifisch.
- NT-proBNPParameterNT-proBNP ist ein Spaltprodukt, das bei der Bildung des Hormons BNP im Herzmuskel entsteht. Es wird freigesetzt, wenn die Herzkammern stärker gedehnt werden, und wird in Diagnostik und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz bestimmt.
- PCTParameterProcalcitonin ist die Vorstufe des Hormons Calcitonin. Bei bakteriellen Infektionen steigt es im Blut deutlich an, bei viralen Infekten meist kaum. Der Wert wird genutzt, um eine bakterielle Infektion einzuschätzen und die Dauer einer Antibiotikatherapie zu steuern.
- ProgesteronParameterProgesteron wird nach dem Eisprung im Gelbkörper gebildet. Die Bestimmung in der zweiten Zyklushälfte zeigt, ob ein Eisprung stattgefunden hat. In der Kinderwunschbehandlung und der frühen Schwangerschaft wird der Wert ebenfalls genutzt.
- ProlaktinParameterProlaktin wird in der Hypophyse gebildet und regt die Milchbildung an. Erhöhte Werte können Zyklusstörungen und einen unerfüllten Kinderwunsch mit verursachen, deshalb gehört Prolaktin zur Basisdiagnostik.
- PSAParameterPSA wird in der Prostata gebildet. Gesamt-PSA und freies PSA werden in der urologischen Diagnostik und Verlaufskontrolle bestimmt.
- PTHParameterParathormon wird in den Nebenschilddrüsen gebildet und regelt den Calcium- und Phosphathaushalt. Bestimmt wird es bei auffälligen Calciumwerten, bei Vitamin-D-Mangel und bei chronischer Nierenerkrankung.
- RötelnParameterRöteln-IgG zeigt, ob Schutz gegen Röteln besteht, etwa nach einer Impfung. Der Wert wird vor und in der Schwangerschaft bestimmt.
- SHBGParameterSHBG ist das Transporteiweiß für Sexualhormone im Blut. Zusammen mit Testosteron lässt sich daraus der freie, wirksame Anteil abschätzen.
- T3ParameterT3 erfasst das gesamte Trijodthyronin im Blut, gebunden und frei. Wie beim T4 hängt der Wert von den Transporteiweißen ab, deshalb wird meist fT3 bestimmt.
- T4ParameterT4 erfasst das gesamte Thyroxin im Blut, gebunden und frei. Weil der gebundene Anteil von den Transporteiweißen abhängt, etwa in der Schwangerschaft, wird in der Praxis meist fT4 bevorzugt.
- TestosteronParameterTestosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Beim Mann wird es bei Verdacht auf einen Mangel bestimmt, bei der Frau bei Zeichen eines Androgenüberschusses.
- TgParameterThyreoglobulin ist ein Eiweiß, das nur in der Schilddrüse gebildet wird. Nach der Behandlung eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms dient es als Marker in der Nachsorge.
- ToxoplasmoseParameterIgG- und IgM-Antikörper gegen Toxoplasma gondii zeigen, ob vor oder in der Schwangerschaft bereits Schutz besteht oder ob eine frische Infektion möglich ist.
- Troponin IParameterTroponin I ist ein Eiweiß des Herzmuskels. Es gelangt ins Blut, wenn Herzmuskelzellen geschädigt werden, und ist ein zentraler Wert bei Verdacht auf einen Herzinfarkt.
- TSHParameterTSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) wird in der Hypophyse gebildet und ist der Basiswert der Schilddrüsendiagnostik. Ergänzt wird er bei Bedarf durch fT4 und fT3.
- Vitamin B12ParameterVitamin B12 (Cobalamin) wird für die Blutbildung und das Nervensystem gebraucht. Der Wert wird bei Verdacht auf einen Mangel bestimmt, etwa bei makrozytärer Anämie, und häufig zusammen mit Folsäure.
- Vitamin DParameter25-OH-Vitamin D ist die Speicherform von Vitamin D im Blut und der übliche Messwert, um den Vitamin-D-Status zu beurteilen.
- β-hCGParameterhCG wird in der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet. Die quantitative Bestimmung im Blut dient dem Nachweis und der Verlaufskontrolle einer frühen Schwangerschaft, etwa nach einer Kinderwunschbehandlung.
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